Viggo, Schüler

Ich fand das ziemlich nervig, als Corona anfing, weil ich da gar nicht mehr in die Schule konnte. Man ist so ein bisschen vereinsamt. Jetzt geht es wieder, weil wir wieder in die Schule können und man sich wieder verabreden kann. Aber am Anfang war das echt nervig, dass man keine sozialen Kontakte mehr hatte. Diese Ungewissheit, wie es weiter gehen soll. Videochat ist für mich auch keine richtige Alternative. Mit meinen Freunden hab ich da aber gar nicht so drüber geredet. Auch nicht in der Schule. Das war nicht so das Gesprächsthema. Das war auch besser so, denn sonst wird das alles nur immer wieder aufgewirbelt und es wäre gefühlt immer noch schlimmer geworden. Geschwister zu haben, war dann so eine halbe Erleichterung. Das hat es ein bisschen besser gemacht. Die Zeit, die besonders doof war, das war, als wir gar nicht in die Schule durften und noch nicht mal Videokonferenzen hatten. Zuhause kann ich auch nicht gut lernen. Mir ist es häufig zu laut und ich kann mich nicht gut konzentrieren. Meine Schwestern sind oft da, der Hund bellt – dann ist es viel zu laut. Das hole ich bestimmt wieder auf, und im Notfall kann ich eine Klasse wiederholen. So schlimm finde ich das deshalb auch nicht. Es ist zwar nicht schön, aber es bringt ja niemanden um. Besser man lernt es nochmal, als wenn man nichts verstanden hat. Am wichtigsten fände ich, dass in der Schule jetzt erstmal darauf geguckt wird, dass es uns wieder gut geht. Das ist viel wichtiger als das Lernen. Denn sonst macht es keinen Spaß und dann kommt niemand mehr gern in die Schule und macht auch keine Hausaufgaben. Und dann geht alles den Bach runter.
Ich finde besonders nervig, dass man nichts mehr darf. Man ist ziemlich eingeschränkt. Ich würde gerne mal wieder in den Freizeitpark oder so. Oder vor allem ins Schwimmbad. Am meisten fehlt mir das Schwimmen, weil mir das sehr viel Spaß macht. Das einzige, was im letzten Jahr ein Lichtblick war, war als wir endlich wieder in die Schule durften. Das war wirklich eine Erlösung. Und etwas, was mir besonders geholfen hat war auch, dass ich mit einer Schulhelferin online lernen kann. Mama muss die ganze Zeit arbeiten, Papa muss die ganze Zeit arbeiten, mit denen klappt das nicht. Jetzt finde ich es doof, weil durch die Einführung der Lollitests der Wechselunterricht schon wieder umgestellt wurde. So ist der Rhythmus total weg und man weiß gar nicht mehr, wann man nun Schule hat. Mich stört am meisten, dass man nicht in die Schule gehen kann und dass man die Leute wegen der Maske nicht richtig sieht. Man braucht das ja für das gegenseitige Verständnis, damit man den Mund sieht und alles gut versteht. Manche Kinder reden immer so leise und man versteht sie gar nicht richtig, wegen der Maske. Das nervt vor allem. Das Miteinander ist zwar wie vorher, aber nervig ist es trotzdem.

Das Schlimme ist ja gar nicht Corona an sich, sondern wie die Politiker und die Gesellschaft damit umgehen. Die Politiker hätten schon viel früher damit anfangen sollen, erstmal dafür zu sorgen, dass vor allem die alten Menschen isoliert werden und die Pfleger, die da ein und aus gehen, zu impfen, damit alles andere weiter laufen könnte. Ich halte mich nur an die Maßnahmen, weil ich muss. Ich finde das alles sehr ungerecht. Warum impfen sie die zuerst, die so alt sind, dass sie sowieso in ein paar Wochen oder Monaten sterben. Das verstehe ich erst recht nicht. Damit verschwenden sie doch Impfstoff. Das wäre so, als ob sie den Impfstoff nehmen und direkt in die Mülltonne schmeißen. Die Alten haben ihr Leben schon gelebt und wir Kinder haben unser ganzes Leben noch vor uns. Ich finde auch, dass wir Kinder ruhig wieder in die Schule könnten, denn der Infekt ist für uns nicht gefährlich. Man könnte ja die Alten isolieren – warum nimmt man uns unsere Lebenszeit, anstatt den Alten, die ihr Leben schon gelebt haben?! Das ist unfair. Selbst wenn jemand der 85 ist, ohne Corona noch 10 Jahre älter werden kann. Das sind dann 10 Jahre im Vergleich zu 50 oder mehr. Das ist es halt. Womit nehmen sie sich das Recht heraus uns alles kaputt zu machen, damit die Alten eine kurze Zeit mehr bekommen. Was hat das für einen Sinn, die Alten zu retten und den Jungen wird alles genommen?! Die Erwachsenen sagen immer, alles Leben wäre schützenswert und deswegen müssten wir alle solidarisch sein. Uns Kindern hat man damit alles kaputt gemacht. Uns hat keiner beschützt. Warum macht man den Jungen alles kaputt? Jetzt steigt die Staatsverschuldung durch diese Maßnahmen an, und wir müssen später alles bezahlen, sogar dann noch, wenn die, für die wir das alles auf uns nehmen, schon längst gestorben sind. Das macht doch alles keinen Sinn, dass man uns unsere Zukunft nimmt. Viele von den Alten wollen das ja auch gar nicht.

Ich glaube, niemand will wirklich sterben, aber es macht keinen Sinn, den Jungen ihr Leben zu zerstören, um die zu retten, die ihr Leben schon hinter sich haben. Jetzt werden Kinder depressiv. Und ich habe schon irgendwie das Gefühl, dass die Coronapolitik mein Leben kaputt gemacht hat. Ich glaube nicht, dass das schnell wieder besser wird. Corona bleibt ja. Das Einzige, was sich ändern könnte, wäre die Einstellung der Politiker. Ich glaube aber nicht, dass die ihre Meinung jetzt einfach ändern werden. Da müssten schon neue Politiker an die Macht kommen. Da müssten wir einen Generationenwechsel abwarten, bis die Politik sich ändert. Wenn man das Virus einfach durchlaufen lassen hätte, hätten sich vielleicht gar nicht diese für die Jüngeren gefährlichen Mutationen entwickelt. Das finde ich richtig nervig. Jetzt müssen wir auch noch auf uns selbst aufpassen, weil durch die ganzen halbherzigen Gegenmaßnahmen Fluchtmutationen entstanden sind. Wir haben eh eine Überbevölkerung. Bei den Tieren ist es auch so. Die Schwachen und Kranken sterben dann eben. Das hat die Natur so vorgesehen. Und die Menschen wehren sich dagegen und werden sich so noch selbst ausrotten. Übers Mittelalter haben wir gelernt, dass Folter schlimmer ist als der Tod. Und durch die Coronamaßnahmen fühle ich mich schon so halb gefoltert. Es ist zwar nicht der Weltuntergang, aber wirklich schön ist es auch nicht. Die Forscher sagen zwar „irgendwann“ wird alles wieder besser, aber irgendwann ist ja kein richtiger Zeitpunkt. Mit irgendwann kann ich nichts anfangen. Ich halte das nicht nochmal ein Jahr aus. Und die Wirtschaft auch nicht. Aber wenn jetzt einfach aufgegeben würde, dann würden trotzdem alle sterben und noch die dazu, die von der ursprünglichen Form gar nicht bedroht waren. Und am Ende gibt es gegen die Mutanten, die jetzt entstehen, keinen Impfstoff, weil man mit der Entwicklung nicht hinterher kommt und dann geht das Ganze von vorne los. Weil man mit dem Impfstoff nicht schnell genug ist, entstehen neue Mutationen und immer so weiter.

Die Politiker haben für uns Kinder total ungerechte Entscheidungen getroffen. Die Leute, die zur Arbeit mussten, durften immer in ihre Büros und wir Kinder nicht in die Schule. Obwohl es für die Kinder sogar wichtiger ist. Alle die nicht unbedingt ins Büro müssten, könnten genauso gut zu Hause am PC arbeiten. Das hat mich besonders gestört. Da hätten sie besser die Kinder in die Schule gehen lassen können. Das wäre viel wichtiger, weil sich für die Leute im Homeoffice nicht viel ändert. Da ist es vielleicht nur ein bisschen ruhiger, aber die können trotzdem arbeiten. Wir Kinder müssen unser Material bearbeiten und brauchen dabei Unterstützung. Das geht zu Hause nicht gut. Ich will einfach nur mit meinen Freunden in die Schule gehen. Das nervt! Ich glaube schon, dass mich das letzte Jahr verändert hat, dadurch, dass ich meine Freunde so wenig sehen konnte. Das hat mich verschlossener gemacht. Man konnte ja die ganze Zeit kaum jemandem treffen oder neue Kontakte knüpfen. Bis wir uns von der Pandemie erholt haben, dauert es sicher ein paar Generationen. Denn die Schulden, die wir jetzt angehäuft haben sind enorm. Und durch die Vereinsamung ist das Leben bei vielen kaputt. Deswegen glaube ich, dass es auch beim Miteinander mehrere Generationen dauern wird bis sich die Menschheit da komplett von erholt hat. Ich glaube nicht, dass sich die Menschen in dieser Generation davon erholen, denn jetzt sind alle deprimiert und vereinsamt und vor allem verschlossen. Da muss es erstmal einen Neuanfang geben.


Die letzten Interviews stehen an. Dann ist das Projekt Faces in Times of Corona beendet. 14 Monate habe ich die Pandemie nun schon mit meiner Kamera begleitet. Demnächst werden viele der Bilder im Stadtmuseum Quakenbrück gezeigt. Damit dir nichts entgeht, trag dich doch ganz fix für meinen Newsletter ein.

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