Den Beginn der Pandemie in China habe ich wahrgenommen aber erst nicht weiter verfolgt. Als das Virus in Deutschland ankam, haben wir regelmäßig die Pressevideos des RKI gesehen um gut und unabhängig informiert zu sein. Da meine Frau Ärztin an einer Klinik ist, war es für uns nicht ausgeschlossen den Virus frühzeitig zu bekommen. Dementsprechend haben wir uns auf eine Quarantäne vorbereitet. Wichtig war uns hierbei genug Vorräte für das Kind und den Hund zu haben. Als im März die Kitas schlossen, bin ich mit meiner Tochter Zuhause geblieben. Im April bestand für uns die Möglichkeit der Betreuung in der Kita. Ich bin Reservist und habe ich mich deshalb bei der Bundeswehr für einen Einsatz in Münster als potenziell verfügbar gemeldet . Ich wurde wenig später aktiviert und habe für 14 Tage Dienst im Krisenstab der Stadt Münster versehen.
Im Anschluss, wieder als Zivilist, habe ich begonnen, für meinen Arbeitgeber im Schichtdienst zu arbeiten mit Präsenzarbeitstagen. Zu diesem Zeitpunkt haben die eingeleiteten Maßnahmen bereits deutlich Wirkung gezeigt. Die Fallzahlen in Münster waren stark zurückgegangen. Die Lage entwickelte sich weiter positiv für uns bis zum heutigen Tage.

Aus meiner Sicht war es das Ziel unser Gesundheitssystem vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Der Erfolg gibt den Maßnahmen recht. Zustände wie sie in anderen Ländern zu beobachten gewesen sind, haben sich bei uns nicht wiederholt. Es ist gelungen, die Rate der Neuinfektionen deutlich zu senken und die Grippewelle von der COVID-19 Welle zu entkoppeln. Dies ist auch der Disziplin der Bevölkerung zu verdanken. Mich hat es besonders gefreut, dass die Länder gut mit dem Bund zusammen gearbeitet haben, um die Lage in den Griff zu bekommen. Nicht alle Erlasse haben von Beginn an in der Praxis reibungslos funktioniert. Bei der Umsetzung und Überwachung waren die Kommunen besonders gefragt. Den Krisenstab der Stadt Münster hier bei der Arbeit beobachten zu dürfen, war ein besonderes Erlebnis. Probleme, die in der Praxis sowohl für die Behörden, als auch für die Bevölkerung auftraten, wurden besprochen, Lösungen herausgearbeitet und damit gelöst. Ich habe die Arbeit als sehr effektiv und transparent gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern wahrgenommen. Die Ergebnisse der Sitzungen wurden regelmäßig an die Presse weitergetragen, sodass ich nachmittags im Radio hören konnte, was morgens besprochen wurde.
Die Bundeswehr hat mich (und natürlich auch alle anderen KVKs) mit vielen Informationen und Hilfestellungen versorgt, damit ich meinen Dienst bestmöglich erfüllen konnte, auch das hat mich sehr gefreut.
Insgesamt bin ich mit dem Ergebnis der Maßnahmen auf allen Ebenen sehr zufrieden.

Im Freundes- und Verwandtenkreis schlug die Krise stärker zu als bei uns. Einzelne waren schnell von Kurzarbeit oder Schließungen betroffen. Die langfristigen Folgen sind noch nicht abzusehen. Da meine Frau und ich beide im öffentlichen Dienst tätig sind, mussten wir uns zumindest keine Sorgen um die Existenz machen. Mit dem Beginn der Stabsarbeit verlief mein Leben wieder relativ normal. Es gab einen geregelten Ablauf. Ohne Spielplätze, den Zoo und ähnliches war die Betreuung teilweise schon eine Herausforderung. Ich hatte das Gefühl entweder dem Kind oder dem Hund an intensiven Tagen nicht gerecht werden zu können. Der völlige Zusammenbruch des sozial Lebens hat uns auch betroffen gemacht. Besonders um meine Tochter tat es mir leid, da sie das einzige Kind im Haushalt ist. Die Großeltern haben ihren Unmut darüber geäußert, uns nur noch über Video sehen zu können. Eine mutwillige Gefährdung von Personen der Risikogruppe kam für uns jedoch nicht in Frage. Viele Eltern aus der Kita haben die Sorge, dass die lange Isolation ihrer Kinder diesen nicht gut tut. Ich teile diese Ansicht, besonders weil ich an meiner Tochter beobachten kann, dass ihr der Kontakt zu gleichaltrigen Kindern gut tut.
Die Stadt wirkte teilweise wirklich gespenstisch auf mich. Besonders in der Innenstadt konnte man deutlich spüren, dass das öffentliche Leben stark eingeschränkt wurde. Besonders geärgert hat mich, dass mit der Verbesserung der Fallzahlen Stimmen laut wurden die im Wesentlichen viel Meinung und wenig Ahnung hatten. In den Nachrichten konnte gut verfolgt werden, wie es in Ländern aussehen kann, die anders mit dem Virus umgegangen sind oder von vornherein eine schlechter Ausgangslage hatten. In Deutschland ist vor allem die Wirtschaft hart getroffen worden. Existenzen wurden zerstört. Trotz dieser harten Schicksalsschläge finde ich, dass wir dankbar sein können. Ohne das beherzte Eingreifen unserer Regierungen wäre es mit hoher Wahrscheinlichkeit viel schlimmer geworden. Ich hoffe sehr das die Krise bei einigen Menschen dafür sorgen wird, dass diese ihren Fokus auf wirklich wichtige Dinge im Leben lenken.

Das Virus selbst macht mir keine Angst, auch wenn Statistik immer mit Vorsicht zu genießen ist. COVID-19 ist so allgegenwärtig, dass ich irgendwann gesättigt gewesen bin von diesem Thema. Die Gewissheit, dass es noch viele Monate dauern wird, bis das Leben wieder ganz normal von statten gehen kann und es Jahre dauern wird, bis die Folgen ausgebügelt werden können, bedrückt mich. Immerhin ist die Infrastruktur in Takt. Gesunden Respekt habe ich auch vor einer potenziellen weiteren Corona Welle. Gesundheitssystem und Katastrophenschutz werden auch eine zweite Welle wegstecken. Bei der Wirtschaft bin ich mir da nicht so sicher, muss aber dazu sagen, dass ich ja auch nicht Volkswirtschaft studiert habe, was es deutlich schwerer macht, alle Zusammenhänge direkt zu erfassen.






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