Ich hab mal das Wort „wohlstandsverseucht“ gelesen – und das finde ich sehr treffend. So viele Leute, die so viele Dinge als selbstverständlich nehmen, das nervt mich. Diese ganzen Diskussionen um „es werden Freiheiten genommen“ und so weiter… Das Anspruchsdenken, das dahinter ist, das finde ich richtig schlimm. Das Anspruchsdenken und diese völlige Entfremdung von den Werten, über die manche Leute reden, wie Freiheit, die wir seit ’45 haben… Das verstehe ich nicht. Es leben noch Leute, die im Krieg waren. Die wissen das alles noch. Und zwei Generationen später sind da Leute, die auf die Straße gehen und einfach daherreden „Man nimmt uns unsere Freiheit!“ Ich frage mich da manchmal, was Leute glauben, wie lange es braucht, um ein Gesetz zu ändern. Und jetzt geht es um Entscheidungen, die innerhalb weniger Tage getroffen werden müssen. Das dauert mindestens ein paar Wochen. Wir haben das jetzt erst seit ein paar Wochen. Und seit Beginn hat sich ja schon so viel geändert, auch in der Erforschung des Virus.sich ja schon so viel geändert, auch in der Erforschung des Virus.

Jetzt geht es einfach nicht mehr um den Einzelnen. Es geht um andere. Das ist auch, was mir am meisten zu schaffen macht. Ich musste mich echt zurück halten, um nicht aggressiv zu werden. Ich gehe nach Feierabend gerne spazieren – Promenade einmal rund, kleines Stück am Aasee lang. Und gerade auch in den ersten Wochen zu sehen, wie offensichtlich komplett egal Leuten sowas Einfaches wie Abstand halten war. Da war von Mundschutz noch gar keine Rede! Auf was verzichten denn die Leute?! Können die nicht noch vier Wochen warten? Das nervt mich wirklich. Es kostet nicht viel etwas für andere Menschen zu tun, wenn man einfach nur ein bisschen Rücksicht nimmt.

Desinfektion, Mundschutz – die Vorgaben bräuchte es überhaupt nicht, wenn die Menschen vernünftig mitdenken würden. Die gibt es meines Erachtens nach, weil Menschen größten Teils zu blöd sind, um selber Verantwortung zu übernehmen. Es ist leichter, wenn jemand sagt: „Tu dies, tu das!“. Dann musst du nicht nachdenken. Ich halt auch nicht viel von der Maske. Ich weiß, dass die nicht viel abhält. Wenn aber ein Mediziner sagt, dass das gut ist, dann reicht mir das. Dann muss ich das auch nicht hinterfragen. Ich würde sie auch tragen einfach nur, weil es anderen Leuten ein gutes Gefühl gibt. Mir schadet es nicht. Ich bin auch immer so entgeistert, was für schwachsinnige Theorien die Leute über die Schäden aufstellen, die das verursachen könnte. Und ich frage mich, wo das herkommt. Deshalb würde ich die Pandemie auch nicht nur in rein medizinischem Zusammenhang sehen. Sondern auch das ganze Drumherum dazu. Sprich Social Media, Smart Phones, die das ganze Gerede über die Situation erst ermöglichen.. Ich glaube, das ist eine Art Spätfolge des Internet. Das die Leute da so viele Dinge lesen – das erweitert den Fantasiehorizont. Es ist ein Problem für den Menschen, wenn er sich etwas nicht erklären kann. Und schöne Geschichten machen es einem leichter. Das macht mir Sorge. Diese Dynamik, die dahinter steckt. Ich glaube wir haben noch nicht im Ansatz begriffen, was alles dahinter steckt und was da alles passieren kann.

Ich würde nicht sagen, dass mich die Situation groß verändert hat. Mein Alltag ist ziemlich gleich geblieben. Ich mach home office, wie sonst auch. Ich lebe auch sonst sehr gern alleine in meinen eigenen vier Wänden. Ich habe zur Zeit ein paar Aufträge und muss mir finanziell keine großen Sorgen machen. Insofern, wenn ich sage, mich nervt etwas, das ist schon auf hohem Niveau. Ich nehme aber noch viel bewusster wahr, wie gut es mir geht. Allein dadurch, gesund zu sein, ein Dach überm Kopf und einen Job zu haben. So viele Menschen haben das nicht. Da fühle ich mich im Moment wirklich gesegnet.
Ich hatte mich aber auf einen viel längeren Lockdown eingestellt. Und ich fürchte, wenn die zweite Welle nicht so einschlägt, dann werden all die Leute, die gesagt haben „Ach, ist doch nur ’ne Grippe!“ sagen: „Hat doch funktioniert. Was machen wir uns ’nen Kopp?! Läuft doch!“ Und es ist typisch menschlich, dass wir daraus nicht lernen. Den Effekt fürchte ich. Ich liebe den Gedanken, der natürlich Quatsch ist, aber dass Mutter Erde irgendwann gesagt hat „So, Leute! Ihr braucht jetzt mal ’nen Schlach in Nacken. Damit ihr mal über ein paar Sachen nachdenkt. Umwelt, Kapitalismuskritik und so weiter.“ Wenn man mal bei dieser Metapher bleibt, würd ich sagen, der Schlag in den Nacken hat nicht gereicht.

One Comment to “Norbert, Freier Texter und Redakteur”

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