Ich bin eigentlich relativ entspannt. Ich bin alleinstehend, habe einen Job, keine Kurzarbeit, kein Homeoffice, keine Hobbies, die von der jetzigen Situation beeinflusst werden. Ich habe also Alltag wie jeden Tag. Klar muss man sich umstellen, wenn man z.B. einkaufen geht. Aber ich versuche diese Entspanntheit mitzunehmen. Denn diese Aufgeregtheit der Leute, die bringt ja nichts. Es bringt mir nichts, mich aufzuregen, wenn einer den Abstand in der Schlange nicht einhält. Es bringt mir nichts, mich aufzuregen, was unsere Regierung für Entscheidungen trifft, weil ich mich sowieso daran halten muss. Ich habe meinen Tageslauf immer noch. Ich kenne auch viele Leute, die in Risikojobs arbeiten, die Familie haben, die keine Kinderbetreuung haben, und möchte nicht tauschen mit denen, die sich umstellen müssen und sich komplett allein gelassen fühlen. Da macht man sich natürlich schon Gedanken um Freunde und Familie, bei denen das so ist.

Ich muss nicht mehr jedes Wochenende durch die Clubs tingeln. Ich habe auch kein Problem damit, jedes Wochenende zu Hause zu bleiben und andere Sachen zu tun oder auch gar nichts zu tun – wenn ich es will. Aber all das jetzt nicht zu dürfen, das gibt mir schon ein komisches Gefühl. Ich habe mich schon öfter dabei ertappt, dass ich gedacht habe: „Jetzt ein Konzert oder in einen Club oder irgendwas…“ und selbst wenn ich wollte, könnte oder dürfte ich nicht. Das ist schon ein ganz merkwürdiges Gefühl. Da merke ich die Einengung schon. Ich bin zwar oft ein Einzelkämpfer und komme gut allein klar, habe auch viel Natur um meinen Wohnort herum, deswegen stresst mich die Situation nicht so. Aber das Gemeinschaftsgefühl, das man bei Konzerten erlebt, die Energien, die man dabei spürt, dieses gemeinsame Erlebnis vermisse ich schon. Irgendwann werden wir die Pandemie auch im Griff haben. Dann werden dort, wo Clubs kaputt gegangen sind, wieder neue Läden aufmachen. Da mache ich mir wenig Sorgen. Ich bedaure aber, dass natürlich Existenzen kaputt gehen – Veranstalter, Bands…. Ich finde es auch schwierig, man möchte ja helfen, aber viele Leute haben ja jetzt selbst Schwierigkeiten, über die Runden zu kommen. Das ist ein zweischneidiges Schwert, wenn einem ein Restaurant oder andere Gastronomie am Herzen liegt. Ich habe jetzt für Veranstalter gespendet, zu deren Veranstaltungen ich sowieso gegangen wäre und dort 40-50 Euro ausgegeben hätte. Das kann ich als Geste dann auch spenden. Jeder Cent hilft da schon.

Ich bin im besten Alter, habe keine Vorerkrankungen. Ich habe Masken im Auto… Ich versuche die Ruhe zu bewahren. Wenn ich im Laden eine Maske tragen muss, dann mach ich das halt. Ich finde das so strange, dass Leute da schreien, uns würde die Freiheit geraubt. Freiheit ist doch relativ. Wir haben überall Regeln. Wir haben Verkehrsregeln, müssen zur Arbeit… Wo ist das Problem, wenn man in einen Laden geht eben für 10 Minuten eine Maske aufzusetzen? Das die Leute sich da so echauffieren. Mit dem Sinn und Unsinn ist eine andere Sache. Aber das ist jetzt eben so. Wenn jeder versuchen würde, einfach die Ruhe zu bewahren, wäre uns allen am besten geholfen. Wenn jeder in Panik ausbricht und Terror und Randale macht… Ich kann es nicht nachvollziehen – die Familien und die Leute, die in Krankenhäusern arbeiten, die haben ganz andere Situationen. Es ist eine schwere Krankheit, die Leute schwer treffen kann, aber hier in Deutschland hätte es uns schlimmer treffen können. Deswegen finde ich die Maßnahmen auch ok. In anderen Ländern sieht man, wie es anders laufen kann. Ob die Krankheit wirklich so schlimm ist, wie es manchmal kommuniziert wird, bezweifle ich. Ich sag mal so: Vorsicht ist richtig, aber Panik ist falsch. In manchen Belangen ist es sicherlich zu panisch gelaufen, andererseits sind auch manche dabei, die zu leichtfertig mit der ganzen Sache umgehen. Ob man da jetzt wie in manchen Bundesländern Ausgangssperren verhängen muss, oder sofort die Polizei rufen muss, wenn fremde Leute in Nachbars Garten sitzen…?! Vorsicht ja, aufpassen ja, sich dran halten ja, aber nicht in Panik verfallen. In der Situation trotzdem entspannt zu bleiben, würde uns allen ganz gut tun.

Vor ein paar Monaten hat sich mein Privatleben sehr geändert und ich war sowieso auf dem Weg, wieder zu mir selbst zu kommen. Ich hatte also eh Zeit gebraucht, wieder zu mir selbst zu finden, und dadurch dass weniger Leute auf der Straße waren, dadurch, dass sie Abstand halten mussten, hatte ich mehr Freiraum und die ganze Entschleunigung hat mir sehr gut getan. Ich habe nicht viel Unruhe in meinem Umfeld, aber die ganze Atmosphäre ist noch ruhiger geworden. Ich kann das schlecht beschreiben… Das Auftreten vieler Leute, die Hektik des Alltags, auch im Job, hat abgenommen. Abgesehen von den wirtschaflichen Aspekten, familiären und gesundheitlichen Sorgen, halte ich diese Pause fast für notwendig. Ich glaube schon, so hart es jetzt auch für manche wird, jetzt wieder auf die Beine zu kommen, dass es grundsätzlich für die Welt gut ist und viele Leute jetzt auch wieder mehr gebraucht werden. Das wird den Menschen gut tun. Und sie werden auch neue Aufgaben finden. Jetzt müssen wir alle anpacken, damit es wieder bergauf geht. Es wird hart, es wird schwierig, aber ich bin da gar nicht pessimistisch. Ich sehe das als Chance für viele Menschen, weil sie auch gezwungen sind, sich neu zu orientieren. Individuell wird es Einschnitte geben, aber gesamtgesellschaftlich ist es eine Chance. Ich sehe die jetzige Situation nicht als massive Krise, sondern als Herausforderung, eine schwere Zeit, aber nicht als etwas, an dem ich kaputt gehen kann. Dieser Denkansatz macht vielleicht den Unterschied aus, wie man das Ganze überstehen kann. Im Endeffekt kann ich nichts anderes, als immer den nächsten Schritt zu machen. Ich fürchte, das schlimmste, was jetzt passieren kann, ist dass die Welt wieder dahin zurück geht, wie sie war. Denn jetzt haben wir die Chance, alles anders zu machen, etwas zu verändern. Ich wünsche mir, dass es im kulturellen Bereich nicht viel Umdenken gibt, weil wir in Deutschland eine große kulturelle Vielfalt haben. In anderen Bereichen, im sozialen Bereich, im Gesundheitswesen, da befürchte ich, dass es wieder in die alte Richtung geht, dass die Menschen, die „relevant“ sind, noch immer nicht die Würdigung erhalten, die sie schon vorher verdient hatten. Ich hoffe nicht, dass es da wieder in den alten Trott geht. Das Beste sollte wieder hergestellt werden und für das was schlecht lief sollte es eine Chance zur Verbesserung sein. Aber bei allen Sorgen sollten wir nie vergessen, dass es uns in unserem Land eigentlich gut geht. Wir haben das Potential alles wieder auf die Beine zu bringen und das sollte uns hoffnungsvoll stimmen!

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