Als Corona anfing, hatte ich erstmal Angst davor, was das mit sich bringt. Ich bin selbstständige Tagespflegeperson. Das heißt, ich durfte anfangs nicht arbeiten und ich wusste lange Zeit nicht, ob ich überhaupt bezahlt werde oder nicht. Das hat auch schon Existenzängste mit sich gebracht. Am Anfang war es schwer. Wir sind im März umgezogen und als der Lockdown kam, waren wir grade ein-zwei Wochen in unserer neuen Wohnung, hatten unheimlich viel zu tun deshalb waren die ersten Wochen noch richtig cool, weil wir Zeit hatten. Wir konnten wirklich viel schaffen. Da war es dann wirklich eher die finanzielle Sorge. Wir haben zwar nicht gesagt, wir geben jetzt nichts für die Wohnung aus, aber gesorgt haben wir uns trotzdem. Aber als dann alles getan war, da hatte ich schon ’ne Woche, wo ich nur rumgelegen habe und nichts gemacht habe. Ich war ja auch schon 2 Wochen vor dem Lockdown ohne Arbeit. Das war schon krass.

Gesundheitliche Bedenken hatte ich nur wegen der Verwandtschaft, aber da waren wir auch eigentlich sehr konsequent. Ich bin schon jemand, der Regeln sehr streng einhält, von daher war da keine große Sorge. Die Regeln fand ich auch nicht zu heftig, weil ich schon fand, dass es was bringt und das es sinnvoll ist. Das gab es bei uns einige Debatten, weil mein Freund das anders gesehen hat. Da haben wir schon kontrovers diskutiert, besonders, weil sein Sohn ja auch die ganze Zeit bei uns war und dann gar nicht raus kam. Welcher Umgang mit der Pandemie der Beste ist, dass kann man aber ja jetzt noch gar nicht wissen. Das sieht man ja immer erst hinterher, von daher bringt es gar nichts, da jetzt drüber zu diskutieren, man kann nur im Nachhinein schauen, ob das alles sinnvoll war oder nicht.
Ich finde aber, jetzt wo die Lockerungen da sind, fühlt es sich schon fast wieder normal an. Man hat sich an die Masken gewöhnt, alles wird entspannter. Wir waren gestern z.B. im Restaurant und den Leuten macht es auch gar nicht mehr so viel, wenn die Bedienung dann sagt, dass grad kein Tisch frei ist, dann regen sie sich nicht auf, sondern warten einfach.

Wir sind Personen, die sich schon an die Vorgaben halten, aber wir haben auch keine Probleme, wenn Leute das anders für sich machen. Das ist einfach Ermessenssache und ich finde, dass man ja auch mit den Einschränkungen umgehen können muss. Es bringt ja niemandem was, wenn man sich jetzt an alle Einschränkungen hält und dann am Ende depressiv aus der ganzen Sache raus kommt. Da hat niemand was gewonnen. Deshalb kann ich nur sagen, ich guck auf mich, ich schau, dass ich damit zurecht komme und wenn nicht, dann muss ich halt für mich was ändern. Ich bin aber schon kritisch den Leuten gegenüber, die sagen es ist alles Quatsch, weil es ja offensichtlich ist. Ich finde, es ist da auch zu wenig Transparenz. Man hört immer nur die Ergebnisse und die auch relativ kurzfristig und gerade auch Familien wissen ja auf lange Sicht gar nicht, wie es weiter gehen soll. Und ich kann da schon den Gedankengang nachvollziehen, dass die Einschränkungen, die die Regierung jetzt vollzogen hat, dass das ein erster Schritt in die Richtung ist, um das in Zukunft leichtfertiger zu machen. Das vielleicht schon, aber Angst habe ich davor eigentlich auch nicht. Wir sind ja immer noch Menschen, die eine Stimme haben und wir können auch diese Stimme erheben.

Der CSD wurde wegen Corona natürlich auch abgesagt. Ich habe in Münster mit der CSD Arbeit angefangen und es ist einfach mein Thema geworden und durch die Corona Pandemie fehlt die Plattform – eine große Plattform, die politischen Sachen zu transportieren. Das hat mich jetzt dazu gebracht, noch mehr über Social Media zu bringen. Jetzt ist ja im Oktober noch der Husch-Ball geplant. Ich glaube nicht, dass der stattfinden wird, nach wie vor nicht. Dieses Jahr wird wohl nicht mehr viel laufen. Die queeren Bars und Events haben es ja sowieso schwer, weil es da nicht so die Masse an Publikum gibt und ich denke schon, dass viele Sachen jetzt auch einfach hinüber sind und nicht mehr wiederkommen werden. In Köln hat sich die Szene besser gehalten als die in Münster. Es läuft ja auch langsam wieder an, dass die Leute wieder in Action kommen. Ich denke auch, dass es sinnvoll ist, die Infektion wieder ein bisschen höher zu bekommen, aber ich hätte eine einheitliche Regelung besser gefunden. Wie es jetzt z.B. mit der Tagespflege und den Kitas läuft – da sind so viele unterschiedliche Regelungen. Als Tagespflegeperson hat man da schon das Gefühl, man ist Erzieher zweiter Klasse, weil die Kitas noch viel mehr geschlossen haben. Wir haben alle Kinder schon seit 3 Wochen wieder da. Für die Kinder ist es natürlich gut und für die Familien ist es wirklich sinnvoll, deswegen war ich ganz zufrieden, dass wir wieder arbeiten konnten. Dass die Notfallbetreuung dann aber so sehr ausgeweitet wurde, kam für uns sehr überraschend. In der Kita war schließlich weiterhin Minimalbetrieb. Vorgabe vom Land war, dass wir nur 6 Kinder maximal betreuen dürften, aber das Jugendamt der Stadt Münster hat dann gesagt, wir machen doch alle 9. Ich denk aber auch, jetzt betreue ich 9 Kinder – da schränke ich mich dann auch nicht komplett mit meinen Sozialkontakten ein. Also wenn ich mich da quasi dieser Gefahr aussetze – und auch meine Familie – dann will ich da auch mein Privatleben wieder ein Stück weit genießen.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.