Als Corona anfing… Das war ein bisschen spacig für mich. Man war plötzlich in einer komplett anderen Welt, die ich so nicht kannte. Man muss sich mal vorstellen, dass ein Mensch, der um 1900 geboren wurde, zwei Weltkriege mitgemacht hat, der hat Seuchen mitgemacht. Dieses und jenes. So was, das kennen wir gar nicht hier – klar kennen wir auch Krieg, aber nur aus der Entfernung – da kannst du schulterzuckend dastehen oder du kannst hergehen und sagen, ich bin davon berührt und werde da auch mal ein bisschen aktiv. Bei Corona war das so, dass ich erstmal gar nicht berührt war. Klar war ich erschrocken, wieviel Leute davon betroffen waren, und dann kommt das auch irgendwann zu uns. Ich fand das sehr erstaunlich und wollte da vor allem gar nicht dran glauben. Weil wir das so nicht kennen. So hat mich das aufgefangen, am Anfang. Ich bin deswegen nicht ängstlich geworden. Ich fand das auch ok, als dann irgendwann Sicherheitsmaßnahmen ergriffen wurden. Ich fand das auch notwendig. Aber ich komm damit, wie das ganze Behavior ist, eigentlich ganz gut klar. Was ich natürlich scheiße finde, ist der ganze Hygienekram. Hygienedemos. Diese Leute, die meinen, sie müssten jetzt auf die Straße gehen und gegen irgendwas aktiv werden. Das hilft uns ja in der ganzen Pandemie nicht weiter. Ich finde das ein bisschen krank. Das ist dieser Anspruch, den manche haben und den ich irgendwie nicht teilen kann. Man kommt auf den Boden der Tatsachen zurück und stellt plötzlich fest, wie sterblich man ist. Kann halt passieren. Muss nicht. Die gesundheitliche Vorbelastung, die ich mitbringe, ist da auch eher ein Puffer für mich. Dass ich denke: „Ey, das eine hast du schon geschafft, dann schaffst du das auch – sollte es denn soweit kommen!“ Wenn man mal dem Tod ins Auge gesehen hat, ist das eine ganz andere Geschichte. Ich nehm es nicht lax. Ich sehe es respektvoll, bleibe auch respektvoll. Ich möchte auch niemand anderen gefährden. Das ist das Anliegen schlechthin. Ich möchte nicht dafür verantwortlich sein, dass ich jemanden anstecke, jemandem was zufüge. Ich geh aber für mich recht locker damit um, weil ich weiß, dass ich mich ganz bewusst in dieser Pandemie bewege. Wir müssen ganz bestimmte Regeln einhalten. Das ist einfach so.

Beruflich war die Pandemie für mich eher von Vorteil. Weil plötzlich einige Leute an mich herangetreten sind, die meinten, sie bräuchten Onlineshops und Websites. Vielen Leuten habe ich meine Visitenkarte da gelassen, da waren auch Nachfragen. Mein Handy war zum Beispiel kaputt. Wir haben so einen kleine Handyladen in der Straße. Da hab ich mein Handy hingebracht und der Laden war gähnend leer, ich war der einzige Kunde. Ich hatte meine Visitenkarte da gelassen, weil ich das Handy ja irgendwann abholen musste, und der Ladenbesitzer brauchte meine Adresse, Telefonnummer und so weiter. Und als ich dann das Handy abgeholt hatte, hat er mich gleich gefragt: „Mensch, kannst du mir so einen kleinen Onlineshop einrichten? Mir fehlt jetzt einfach die Kundschaft. Es kommt keiner mehr!“ Das ist wohl auf der einen Seite die Ängstlichkeit der Leute gewesen. Auf der anderen Seite denke ich, dass das Konsumverhalten der Leute sich auch beschränkt hat. Einfach, weil es für viele Leute finanzielle Einbrüche gab und die dann auch darüber nachgedacht haben: „Was muss ich jetzt konsumieren? Was kann ich mir jetzt auch einfach stecken? Was brauch ich jetzt nicht unbedingt?“ Am Anfang der Pandemie hab ich es so wahrgenommen, dass das Konsumverhalten der Leute wirklich anders war. Das konnte man ja schon daran sehen, dass Leute wirklich mit 3 Packungen Klopapier nach Hause gegangen sind. So oft muss ich gar nicht aufs Klo. Wir sind ja auch ein kleinerer Haushalt. Bei einer fünfzehnköpfigen Familie sehe ich das ja auch ein. Da muss ein bisschen mehr Papier her. Aber man kann das ja auch einfrieren… Also, zu Beginn der Pandemie hatte sich das Konsumverhalten verändert. Ja. Aber das hatte sich sehr schnell wieder normalisiert. Ich sehe das eigentlich auch täglich. Denn ich gehe täglich, oder fast täglich, einkaufen und das ist mir schon aufgefallen. Ich musste mein Konsumverhalten dahingehend ändern, dass ich die Zeiten ändern musste. Das heißt, ich gehe nicht mehr um 17 Uhr einkaufen. Um 17 Uhr war eine Schlange vor dem Supermarkt, weil die nur noch so und so viele Leute rein gelassen haben – je nachdem, wie viele raus kamen. Dann bin ich halt mittags raus zum Einkaufen und da wars dann sehr entspannt. Was ich als sehr angenehm empfunden habe. Das muss ich sagen. Wenn man dann die Zeiten kennt, ist das schon ganz ok. Das hat sich übrigens bis heute nicht geändert. Dann geh ich eher mittags raus.

Das was ich nicht unbedingt machen muss, sowas wie Kino, Bar, Kneipe – was ich mit meinem Kumpel gern gemacht habe – da ist jetzt nicht unbedingt der Drang danach da. Es ist nicht so, dass ich das unbedingt vermisse. Sondern im Gegenteil: Ich fühle mich unglaublich entschleunigt. Ich bin definitiv entschleunigter geworden.

Ich glaube nicht, dass sich durch die Pandemie für mich persönlich viel verändern wird. Bei der Gesellschaft bin ich da ein bisschen zwiegespalten. Da wir auf der einen Seite diese Aluhutträgerfraktion haben. Also unverbesserliche Leute, von denen es immer mehr gibt und die jetzt wirklich in Rudeln auf sich aufmerksam machen – was ich gut finde, denn so kann man die besser beobachten und energisch drauf eingehen oder mal einen Shitstorm loslassen. Ich kann diese Leute zwar nicht verstehen, aber das finde ich ok. Auf der anderen Seite denke ich, dass gesellschaftlich wieder einfach ein bisschen mehr Respekt stattfindet. Ein respekvollerer Umgang, ein bisschen mehr Achtung vor dem anderen auch. Das ist eigentlich auch, was ich mir schon lange gewünscht habe. Ich würde mir sehr wünschen, dass das so bleibt. Ich habe aber den blöden Verdacht, da der Mensch so ein Gewohnheitstier ist, dass das Ganze wieder rückläufig wird. Das heißt es wird sich alles wieder in die alten Fugen zwängen. Diese Schnelllebigkeit wird auch wieder kommen, befürchte ich. Aber das sind alles Dinge, die ich mir nicht wünsche. Ich wünsche mir eher, dass es so bleibt, wie es ist. Oder zumindest ähnlich.

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