Ich war zu Beginn der Pandemie in einer Phase, in der ich schon ziemlich müde war. So dass ich, als der erste Schreck und Stress vorbei war, auch genießen konnte, dass es etwas ruhiger wurde. Ich habe gemerkt, dass ich das in der Zeit auch gebraucht habe. Aber nach einer Weile hat mir dann doch einiges gefehlt. Vor Corona war es zum Beispiel so, dass ich dreimal in der Woche paartanzen war. Das ist natürlich total weggefallen. Alle meine Freizeitbeschäftigungen, die ich gern mache, sind weggefallen: Tanzen gehen, Essen gehen, Yoga in Studios. Und das ist, was mir mit der Zeit auch so auf die Seele schlägt. Es war anfangs sehr schön, eine Auszeit zu haben. Aber jetzt merke ich, ich würde gern wieder raus und unter Menschen. Ich weiß aber eben auch, dass es nicht sinnvoll ist rauszugehen, unter Menschen und versuche, das ein bisschen zu kompensieren über meine Freunde – einen begrenzten Kreis zu haben. Und auch so was wie Fotoshootings. Das mach ich ja auch sehr gerne. Man ist kreativ. Man ist draußen. Man ist mit jemandem zusammen. Aber man kann sehr gut Abstand halten.

Ich hatte eine lange Zeit in meinem Leben, in der ich mit Depressionen zu kämpfen hatte. Mich hat der Lockdown sehr an diese Zeit erinnert. Ich hatte Angst davor, jetzt wieder den ganzen Tag zu Hause zu sitzen, nachdem ich mich da so rausgekämpft hatte, um wieder unter Menschen zu gehen. Und dann war das von einem Tag auf den anderen weg. Das war hart. Es ist tatsächlich etwas, worüber ich auch nicht gerne nachdenke. Denn es weiß ja niemand, wann das jetzt wieder vorbei ist. Wann gehen denn solche Sachen wie Tanzengehen wieder. Und wie geht das? Was ist denn dann noch übrig von Tanzlehrern und Orten, an denen man tanzen kann? Ich denke da wirklich nicht gerne dran. Einmal, weil dieses außenrum ist, aber auch, weil ich nicht weiß, wie ich selbst dann darauf reagiere. Ob ich mich selber dann in der Lage sehe, wieder da reinzugehen, ins Leben zu gehen, wenn ich so lange isoliert bin. Weil die Isolation ja durchaus ein Thema für mich ist. Ich brauche das, um zur Ruhe zu kommen, aber ich merke auch, dass ich mich in der Isolation schnell verlieren kann. Man geht halt auch sehr vielen Dingen wunderbar aus dem Weg, wenn man sich isoliert. Und dass man es sich darin sehr bequem machen kann – jetzt bin ich quasi von außen gezwungen, mich da hineinzubegeben. Ich habe generell kein Problem damit, allein zu sein. Ich brauche auch meine Zeit. Ich hatte auch nie die Situation, dass mir langweilig wurde, dass ich Zuhause saß und nichts mit mir anzufangen wusste. Es gibt viele Menschen, die mit sich alleine gar nicht klarkommen. Oder für die das sehr schwer war, so isoliert zu sein. Das habe ich gar nicht. Aber ich merke, dass ich meine Übung verliere, mit Menschen umzugehen, wenn ich so lange isoliert bin. Und gerade in dem Bereich Paartanz, was mich ja auch sehr viel Überwindung gekostet hat, da reinzugehen. Das war für mich auch eine Übung, da immer wieder hinzugehen. Und das ist für mich jetzt für lange Zeit weggebrochen.

Es ist schwer zu beantworten, ob das Virus mir Angst gemacht hat. Am Anfang schon. Man wusste ja einfach nichts. Da war es tatsächlich so, dass ich dachte: „Uih, was kommt da auf uns zu?!“ Auch dieses Gefühl, als damals die Einschränkungen kamen… Da fing das ja erst an, dieses Gefühl: Ok, das ist jetzt doch was Ernsteres. Das ist eine ernste Sache. Aber wie ernst ist das? Wir wissen das nicht. Jetzt ist es nicht mehr so sehr, dass ich Angst davor habe. Aber mir ist es wichtig, mich und andere zu schützen. Einfach, weil niemand von uns ausschließen kann, das Virus zu haben und wir haben halt wenig Medikamente oder Möglichkeiten, das zu behandeln.

Wo ist einem das am meisten aufgefallen, dass es Verschwörungstheoretiker gibt? Bei Facebook. Mir macht es insofern Angst, wie so was auf Dauer die Gesellschaft spaltet. Gar nicht so sehr in meinem Bekanntenkreis. Aber man merkt ja, dass das schon tiefer wandert. Und dass solche Sachen sich auch im eigenen Umkreis befinden. Da prallen ja auch echt harte Sachen aufeinander. Das merkt man ja zum Beispiel auch daran, dass sich niemand traut, jemanden anzusprechen, der keine Maske trägt. Weil Leute dafür verprügelt wurden. Es gab hier tatsächlich ein paar solche Geschichten, wo in Supermärkten so was passiert ist. Und man merkt das auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln, dass, wenn du da jemanden ansprichst, da ist dann nur Aggression. Ich beobachte schon länger Tendenzen – einmal rechtsextreme Tendenzen, dann diese Corona-Verschwörungstheorien und dann kam dazu noch die Rassismusdebatte. Da sehe ich schon, dass da Seiten aufeinanderprallen, wo es unbequem wird und dass viele Leute auch sehr uneinsichtig sind. Wo ich aber auch selber merke, dass ich bei bestimmten Dingen nicht mehr so kompromissbereit bin und so was auch anspreche. Am Anfang waren die Leute so super hilfsbereit, aber dann ging es mit den Verschwörungstheorien los. Das wird die Welt sicherlich verändern. In welche Richtung, kann ich nicht sagen.

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