Christian, Rigger

Das ging ganz schön schnell, bis das um die Welt war. Da hat eigentlich niemand mit gerechnet. Dann war es ja überall in den Nachrichten. Erst hab ich gedacht: ist in China, ist ja weit weg. So wie alle anderen auch. Ne Woche später war es nicht mehr so weit weg. Erstmal hat es sich gar nicht so für mich bemerkbar gemacht. Mittlerweile hört man immer öfter von Leuten, die es dann auch wirklich hatten und kennt auch Leute, die es hatten. Es ist inzwischen viel präsenter. Beruflich hat es mich voll raus gehauen. Das war sehr gewöhnungsbedürftig, so ganz ohne Arbeit. Das hat sehr lange gedauert, sich an die Kurzarbeit zu gewöhnen. In unserer Branche findet derzeit ja gar nichts mehr statt.

Ich hatte für ein halbes Jahr einen Ausweichjob. Aber davon bin ich direkt krank geworden. Das hat mir allerdings eine Menge Geld gespart. Da ich Krankengeld bezogen habe und mir zu der Zeit meine Zähne habe machen lassen. Durch die Kurzarbeit hab ich dann irgendwann angefangen, die Leute in meinem Umkreis zu “nerven“, ob sie was zu reparieren hätten, was zu bauen hätten. Einfach, um was zu tun zu haben. Ich hab allen geholfen, die meine Hilfe brauchten oder denen ich meine Hilfe aufschwatzen konnte. Außer dass ich hauptsächlich Langeweile hatte, zu viel Fernsehen und zu viele Videospiele, hat die Zeit aber nichts mit mir gemacht. Es ist halt so, man kann es nicht ändern. Wenns vorbei ist, muss ich mich dann wahrscheinlich wieder damit arrangieren. Dann hab ich mich ans Nichtstun gewöhnt.

Die meisten in meiner Branche haben es so gemacht wie ich. Die haben sich irgendwie Beschäftigung gesucht. Ob es jetzt ein 450-Euro-Job ist, oder was weiß ich. Zum Glück muss ich mir aber keine Sorgen darum machen, dass es meinen Arbeitsplatz am Ende der Pandemie nicht mehr geben könnte. Wenn die Pandemie vorbei ist, werde ich vermutlich zwei Arbeitsplätze ausfüllen können. Man weiß ja noch nicht, wann es nun wirklich vorbei sein wird. Aber es ist ja nun echt lange gar nichts passiert an Veranstaltungen. Das wird alles auf einmal kommen. Die wollen alle auf einmal. Hallentermine gibt es ja jetzt schon nicht mehr. Ich verfolge das ja. Das werden nicht nur die großen Acts sein. Auch hinter kleineren Comedy-Nummern zum Beispiel stehen ja im Endeffekt große Firmen. Die werden das schon verteilen. Klar wird der Ein oder Andere zu kurz kommen. Logisch. Das bleibt nicht aus.

Vor dem Virus hatte ich keine Angst. Bei den Maßnahmen bin ich mir teilweise nicht schlüssig. Die Ausgangssperre zum Beispiel habe ich für totalen Quatsch gehalten. Aber im Endeffekt hats funktioniert. Also war es scheinbar richtig. Der Inzidenzwert geht runter. Oft habe ich aber auch gedacht: Denkt mal ein bisschen weiter, vielleicht gibt es noch einen anderen Weg. Frisöre und Tätowierer zum Beispiel – warum durften die einen öffnen, die anderen nicht. Vieles fällt hinten über. Das ist ein riesen Haufen Scheiße! Aber es kann keiner was für das Virus. Und es wird vorbei gehen und dann werden wir uns wieder frei bewegen können. Es gibt ja keinen Grund das nicht zu tun. Es würde vermutlich schneller gehen, wenn alle mitmachen und sich an die Vorgaben (sinnvoll oder nicht) halten. Es wäre schön, wenn sich alles durch diese Krise zum Besseren verändern würde. Wenn die Leute sich gegenseitig helfen und unterstützen. Aber Menschen sind leider nicht so. Miteinander können wir nicht. Gegeneinander geht das scheinbar immer besser. Aber was wäre wenn die Welt plötzlich zusammen hält?


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