Amy, Schülerin

Erst fand ich es gar nicht so schlimm. Es gab ja noch keine Masken oder so. Ich hab nur gehört, dass in China Corona war. Mit den Masken wurde es dann blöd. Als das anfing und die erste Welle kam mit den blöden Regeln, hatte ich Geburtstag und dann konnte ich leider nur mit meinem Opa und meinem kleinen Nachbarn feiern. Und als es dann weiterging, zum August, konnte man Parties feiern, dann wieder nicht. Das fand ich blöd, dass wir uns immer wieder an was anderes halten mussten. Dann wurde alles blöd: Dass man in der Schule und beim Einkaufen Masken tragen muss. Dass man sich nicht mehr mit jedem treffen darf. Dass die im Bundestag auf einmal unser Leben bestimmen. Dass man nicht mehr richtig große Feiern machen durfte. Nur noch zwischendurch und dann wieder nicht. Und dann wieder doch und dann wieder nicht… Und dann waren diese Regeln immer wieder anders. Das ist einfach blöd mit den Coronabeschränkungen. Manchmal weiß ich zum Beispiel in der Schule gar nicht, was wir jetzt eigentlich noch dürfen und was nicht. Einmal in der Woche darf ich mir in der Cafeteria was holen. Und dann war es immer sehr blöd, dass nur ein Teil von uns dahin durfte und nicht alle.

Ich habe eine Freundin, mit der ich mich noch manchmal verabrede. Aber ich habe auch noch eine Freundin – eigentlich wollen wir zwar zusammen spielen, aber das geht nicht, weil ihre Mutter das nicht erlaubt. Sie darf gar nicht außer Haus. Nur zur Schule. Außer vielleicht draußen im Garten spielen oder in der Siedlung oder so. Aber nicht mit uns, weil ihre Mutter das zu gefährlich findet. Sie ist Ärztin und der Vater auch. Ich habe noch mehr Freunde, wo die Eltern auch Ärzte sind, die auch Corona-Patienten haben, aber mit denen treffe ich mich gar nicht so richtig. Ich hab mir halt welche rausgesucht, mit denen ich mich zum spielen treffe und damit komme ich auch ganz gut zurecht. Die eine mit der ich jetzt spiele, kannte ich vorher gar nicht. Wir haben uns erst auf der neuen Schule kennen gelernt. Wir sind in einer Klasse und das war ziemlich witzig, weil wir vor drei Jahren zusammen in einem Voltigierclub waren, was wir gar nicht mehr wussten. Das Coole war, als wir in die Schule gekommen sind, mussten wir noch keine Masken tragen, das fing erst einen Monat später an. Und dann kam auf einmal diese Welle. Und dann sind wir in die Schule gegangen und hatten in der ersten Woche zwei Kennenlerntage und als es in der nächsten Woche richtig losgehen sollte, hatten wir schon wieder Schulschluss. Das war blöd. Auch, dass wir jetzt in unterschiedlichen Gruppen unterrichtet werden. Ziemlich viele meiner Freundinnen sind in der anderen Gruppe, und mit der ich mich jetzt treffe bin ich zwar in einer Gruppe, aber die andere Freundin, mit der ich einen Detektivclub habe, ist in der anderen Gruppe. So sehen wir uns eigentlich nie. Die Lehrer wussten wohl nicht so richtig, wer mit wem befreundet ist. Als wir uns noch richtig treffen durften, hatte ich meistens mit zwei bestimmten Freundinnen gespielt. Das wurde aber nicht danach aufgeteilt, sondern der Schuldirektor oder so hat das irgendwie aufgeteilt. Aber auch nicht nach Namen – sonst wären wir in der gleichen Gruppe. Und es ist einfach blöd, wenn man die Freunde nicht mehr sehen kann und die ganzen Sachen nicht mehr machen kann, die man machen will. Jetzt mit dem Osterfeuer… vielleicht kommen dann unsere Nachbarn mit ihrem Sohn vorbei. Aber der ist halt ein bisschen kleiner. Wir reiten zwar zusammen aus und so… Ziemlich viele meiner Freundinnen haben Geschwister. Denen ist dann nicht ganz so langweilig. Ok… mir ist hier auch nicht langweilig, weil ich ein großes Gelände habe und meine Freundinnen dann eher nicht. Die haben dann einen kleinen Garten. Und ich habe hier auch noch einen Wald. Aber es kommt dann nur manchmal meine Freundin, mein Nachbar, oder meine Reitlehrerin, mit der ich zusammen ausreite.

Als das angefangen hat, hatte ich mega Angst, dass meine Eltern sich anstecken und sterben. Und jetzt sollen sie auch geimpft werden und da habe ich Angst, dass sich bei denen Blutgerinsel entwickeln und sie dann auch sterben. Zwischendurch hatte ich keine Angst mehr, oder nicht so doll. Und jetzt habe ich vor der Impfung wieder Angst. Immer wenn ich dran denke, ist es schwierig. Aber wenn ich nicht dran denke, ist es nicht so schlimm. Als ich das mit den Blutgerinseln bei LOGO den Kindernachrichten gesehen habe, dachte ich, es ist nicht so schlimm. Aber als dann alle drüber geredet haben, dass bei zwei Leuten diese Blutgerinsel aufgetaucht sind, dachte ich, dass es irgendwie blöd ist, dass dann eine Zeit lang nicht mehr mit AstraZeneca geimpft werden sollte. Aber irgendwie kann ich es auch verstehen, weil man halt mega Angst hat, dass das auf einmal bei einem selber passiert. Aber es wurden schon so viele damit geimpft und nur zwei davon ist was passiert. Dann passiert das halt nicht so oft, aber es kann sein, dass es nochmal auftritt. Und wenn es dann bei meinen Eltern auftritt, dann bin ich voll durch danach. Aber ich denke nur daran, wenn ich daran erinnert werde.

Haben die Menschen was daraus gelernt? Ich würde sagen ja und nein. Wir haben daraus gelernt, dass wir nicht immer so lahm sein sollten in vielen politischen Sachen. Wir haben aber nicht daraus gelernt, wie schwierig es ist, sich daran zu halten. Es gibt ja so viele, die sich nicht daran halten und da müssten die Politiker drauf achten, dass die nicht einfach sagen: „Ja ist jetzt nicht so schön, aber wir müssen jetzt irgendwie da durch!“ Sondern sie sollten mehr an den Regelungen festhalten. Bei den Kindernachrichten kam der Gesundheitsminister immer so langsam daher. Meine Eltern finden das auch, und deswegen weiß ich nicht so richtig, was ich dazu sagen soll. Aber ich finde das blöd, dass der so viele Krankenhäuser in Deutschland schließen wollte, denn die werden ja grad benötigt. Die sollten darauf achten, dass jetzt keine Krankenhäuser zugemacht werden, denn es werden viel mehr Krankenhäuser benötigt, als jetzt da sind.
Wenn Corona vorbei ist, wünsche ich mir, dass sowas nicht nochmal wiederkommt, weil das – ok, ich darf das sagen – Scheiße ist! Und ich wünsch mir auch, dass man daraus lernt, dass man auch in schwierigen Phasen zusammenhalten soll und dann nicht einfach was anderes macht, sondern dass man zusammen dagegen kämpft, damit es vorbei geht. Und dass man nicht das Gegenteil macht, was vorgeschrieben wird. Wir sollen ja möglichst wenig Kontakte haben und manche gehen dann trotzdem in großen Gruppen, ohne Abstand und ohne Maske durch die Stadt. Bei den Querdenkern denke ich auch immer: Sind die irre?! Wenn die ohne Maske unterwegs sind… wenn die das nicht wollen oder so, ich würde das ja am liebsten auch machen, aber es ist einfach bekloppt, nicht zu machen, was man soll, denn dann verbreitet sich das Virus ja noch mehr. Es soll ja zurück gehalten werden und nicht noch mehr verbreitet werden!

Und ich glaub, jetzt haben Sie alles aus mir rausgefragt.


Die letzten Interviews stehen an. Dann ist das Projekt Faces in Times of Corona beendet. 14 Monate habe ich die Pandemie nun schon mit meiner Kamera begleitet. Demnächst werden viele der Bilder im Stadtmuseum Quakenbrück gezeigt. Damit dir nichts entgeht, trag dich doch ganz fix für meinen Newsletter ein.

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